 Pressemitteilung
Düsseldorf/Wien, April 2008
Von einfach bis anspruchsvoll
Traggerüste für die Wiener U-Bahn
Ausgeklügelte Traggerüst-Lösungen schaffen auf vielen Baustellen die Basis für einen zügigen Baufortschritt. So auch beim Ausbau der Wiener-U-Bahn, der nicht zuletzt wegen der anstehenden Fußball-Europameisterschaft intensiv betrieben wird. Die Ausdehnung in die Wiener Randbezirke verlangt zurzeit den Bau mehrerer Brücken über Land und Wasser. Experten aus dem Hause ThyssenKrupp planen, entwickeln und montieren die speziellen Tragkons-truktionen, die zur wirtschaftlichen Herstellung der Brücken eingesetzt werden.
Vor allem Kreativität und langjähriges Know-how sind im Umgang mit den schwergewichtigen Basis-Elementen des Traggerüstbaus gefragt. Denn stets sind es Sonderlösungen, zu denen Rahmenstützen, Rüststützen und -träger, Stützentürme und Walzträgerstützen verbaut werden. Im Wiener Süden, im Bezirk Maria Lanzendorf, entwickelt das Traggerüstbauteam der ThyssenKrupp Xervon Austria GmbH seit Jahren erfolgreich Lösungen vor allem für die österreichische Bauindustrie. Vom ersten Planungsstrich über die fachmännische Montage bis hin zur Endabnahme vor Ort reicht die Leistungspalette der dreißigköpfigen Spezialabteilung, die beispielsweise zurzeit den Bau mehrerer Brückentragwerke für die Wiener U-Bahn betreut.
Im Zuge der Linienverlängerung der U2 bis zum Ernst-Happel-Stadion und darüber hinaus in den Wiener Nordosten überquert die neue Streckenführung oberirdisch nicht nur die Donau selbst, sondern auch einen Altarm und diverse Autobahnen. Gerade fertiggestellt ist beispielsweise die gut 60 Meter lange Brücke für die neue Station „Seestern“. Das zweifeldrige Brückenbauwerk besteht aus zwei unabhängigen, parallel verlaufenden Tragwerken. Sie schließen direkt an eine bereits fertig gestellte Donaubrücke an (Schrägseilbrücke) und führen über die Donauufer-Autobahn (A22) und einen Autobahn-Zubringer. Insgesamt mussten vier, jeweils 4,20 Meter breite Hohlkastentragwerke mit Einzelstützweiten zwischen 32 und 35 Metern hergestellt werden.
Zuverlässigkeit zählt
Im Auftrag der ausführenden Arge aus den beiden österreichischen Bauunternehmen Östu-Stettin und Hinteregger entwickelte ThyssenKrupp Xervon die Traggerüstlösung zur Herstellung des Brückenbauwerks. Wichtigste Bedingung war neben absoluter Terminzuverlässigkeit vor allem die Entwicklung einer Tragkonstruktion, die sich auf knapp 50 Zentimeter Höhe begrenzt. Um unterhalb des Brückenbaus einen ungehinderten Autobahnbetrieb zu gewährleisten, war eine lichte Höhe von 4,50 Metern vorgeschrieben; nur 70 Zentimeter darüber beginnt die neue Brücke. Abzüglich 23 Zentimeter Holzträgerschalung blieb daher nur wenig Platz für die Tragkonstruktion. Verwendet wurden 18 Meter lange Walzträger, die auf entsprechend massiven Rüststützenjochen auflagen. „Im Brückenbau eine doch eher alltägliche Lösung“, beurteilt Traggerüstbau-Leiter Anton Stricker die technischen Anforderungen bei diesem Projekt. Er beschreibt die eigentliche Herausforderung der Aufgabe: „Wichtig war in diesem Fall vor allem unsere hundertprozentige Zuverlässigkeit in der Ausführung. Schließlich wurde zur Montage und zum Umsetzen der Traggerüst-Elemente die Autobahn jeweils nachts komplett gesperrt. Da mussten Mann und Material termingenau zur Stelle sein.“
Hoher technischer Anspruch
Technisch anspruchsvoller ist das anschließende Bau-Los. Hier führt die U-Bahn-Trasse über das so genannte Mühlwasser – einen Altarm der Donau – und nachfolgend über die Wiener Südosttangente (A23). Hierbei handelt es sich um ein 203 Meter langes Hohlkastentragwerk aus insgesamt sechs Brückenfeldern. Die Unterstellung des rund 39,50 Meter langen Brückenfeldes über das Mühlwasser erfolgt mit 16 Stück 36 Meter langen Rüstträgern T50, die das Tragwerksgewicht von 25 Tonnen pro laufendem Meter auf zwei Stützjoche übertragen. Insgesamt müssen beide Stützjoche rund 1000 Tonnen Last abtragen. Sie bestehen aus Stahlstützen ST300 die auf die vorhandenen Pfeilerfundamente gestellt werden.
Die Herausforderung: Das über die Autobahn führende, 36 Meter lange Feld sollte laut Ausschreibung wegen der geringen zur Verfügung stehenden Bauhöhe eigentlich mit einer Fahrgerüstlösung von oben erstellt werden. Als wesentlich wirtschaftlicher erweist sich allerdings der von ThyssenKrupp Xervon entwickelte Lösungsvorschlag: Die Autobahn wird mit einem etwa 36 Meter langen Walzträgertunnel rechtwinkelig überträgert. Zum Einsatz kommen dabei rund 30 Walzprofilträger HEB 500 mit je 15 Metern Länge. Aufgelagert werden die Walzträger über Pendelstützen, die zwischen den vorhandenen Autobahntragwerken aufgestellt sind. „Eine wirklich kreative Lösung, die außer uns niemand angeboten hat“, freut sich Traggerüst-Experte Stricker.
Weniger spektakulär wird die Traggerüstlösung für das nachfolgende dritte Tragwerk aussehen: eine 346 Meter lange Brücke aus 17 Feldern mit 20 Metern Stützweite. Hierbei handelt es sich – so die Wiener Experten – um ein „ganz normales Alltagsgeschäft“. Eine Kombination aus Walzprofilträgern und Stützen, die Zug um Zug umgesetzt wird, soll für zuverlässigen Baufortschritt und möglichst niedrige Baukosten sorgen. „Danach werden letztlich all unsere Lösungen beurteilt, ganz gleich, ob die technischen Anforderungen besonders anspruchsvoll oder aber eher Standard sind“, erklärt Stricker und ergänzt: „Grundsätzlich zählen immer Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit.“
Pressekontakt:
Ulrike Grönefeld
Tel. 0211/967-5792
Fax 0211/967-5483
E-Mail: ulrike.groenefeld@thyssenkrupp.com
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