 Pressemitteilung
Gelsenkirchen/Neurath, April 2007
40.000 Gerüste für Kraftwerk Neurath
Clevere Konstruktionen
Es ist eine der größten Baustellen Europas: am nordrhein-westfälischen Kraftwerksstandort Neurath errichtet RWE Power auf einem über 30 Hektar großen Gelände gleich zwei neue Braunkohlekraftwerksblöcke. Bis 2010 sollen die beiden Giganten fertig sein und mit einer Gesamt-leistung von 2.200 MW ans Netz gehen. Damit das ehrgeizige Projekt gelingt, werden auf der Mega-Baustelle in Spitzenzeiten bis zu 4.000 Arbeitskräfte tätig sein. Darunter auch bis zu 300 Gerüstbau-er unter der Regie von ThyssenKrupp Xervon. Denn die Kraftwerk erfahrenen Gerüstdienstleister aus Gelsenkirchen bedienen sowohl die Rohbauer wie auch den Kesselbau und andere Ausbaufirmen mit Arbeits- und Schutzgerüsten.
Seit der offiziellen Grundsteinlegung im vergangen August hat sich viel getan auf dem Kraftwerksge-lände am Stadtrand von Grevenbroich. Die ersten Rohbauten nehmen bereits Form an. Genauso wie die zugehörigen Arbeits- und Schutzgerüste. Denn ganz gleich ob Maschinenhaus, Turbinenhal-le, Gipslager, Aschesilos, Saugzuggebäude, Schlitzbunker, knapp 175 Meter hohes Treppenhaus oder auch die jeweils 100 Meter lange, 96 Meter breite und 170 Meter hohe Stahlkonstruktion des Kesselhausgebäudes: kaum ein Rohbauteil egal ob Beton- oder Stahlbau kommt bei der Erstel-lung ohne speziell angepasste Gerüstkonstruktion aus.
Kesselbau ist die Kür
Doch die eigentliche Kür steht den Xervon-Gerüstbauern noch bevor: die Kesselmontage, die im Auftrag der Arge Babcock Hitachi Power / Alstom Power Service Mitte Juni im ersten der beiden neu errichteten Kesselhäusern beginnen wird. Zeitversetzt startet dann sechs Monate später auch der zweite Kesselbau. Man stelle sich die Dimensionen vor: allein ein Kesselhausgebäude umfasst ungefähr 1,5 Millionen Kubikmeter umbauten Raum. Da ist es nicht nur eine Fleißaufgabe, für alle am Kesselbau beteiligten Gewerke zum richtigen Zeitpunkt mit der passenden Gerüstkonstruktion einen sicheren Zugang und eine ergonomische Arbeitsplattform zu schaffen. Jahrelanges Gerüst-bau-Know-how, enormes Sicherheitsbewusstsein, aber auch Kreativität und Kompetenz beim Entwickeln sinnvoller Lösungen machen den Erfolg der Gerüstbaumannschaft um Bauleiter Gabrysch aus. Das seit Jahren eingespielte Team hat bereits im Kohlekraftwerk Niederaußem den Neubau des ersten „Braunkohleblocks mit optimierter Anlagentechnik“ erfolgreich gerüst-bautechnisch begleitet.
„Jetzt sind wir mit der gleichen Kernmannschaft auch in Neurath“, erzählt Xervon-Gerüstexperte Hans Perner, der die Gelsenkirchener Abteilung „Sondergerüstbau“ leitet und die Fäden diverser europäischer Kraftwerkseinrüstungen in Händen hält. Natürlich komme den Mitarbeitern die Erfahrung aus dem Kraftwerksneubau in Niederaußem zugute: „Schließlich sind die Blöcke in Neurath baugleich mit dem in Niederaußem. Da wissen wir in etwa, was auf uns zukommt und können auch einige Sonderkonstruktionen auf die jetzigen Aufgaben übertragen.“ Dennoch bleibt fast jedes aufgebaute Gerüst ein Unikat, weil es sich stets an den aktuellen Gegebenheiten auf der Baustelle orientieren muss.
Dienstleister für alle Gewerke
Die den Gerüstbau beeinflussenden Faktoren sind so vielfältig, das Vieles trotz umfangreicher Vor-planung doch recht kurzfristig vor Ort organisiert werden muss. Das fängt bei den detaillierten Wünschen der vielen unterschiedlichen Gewerke an, deren Arbeitsfortschritt zwar im Bauzeitenplan festgeschrieben ist, diesem aber schließlich auch nicht ständig hundertprozentig entspricht. Gabrisch beschreibt die jeden Morgen wiederkehrende Herausforderung an die Gerüstexperten: „Nicht selten müssen die Gerüstbauarbeiten täglich mit bis zu 15 verschiedenen Gewerken koordiniert werden. Rohrleitungsbauer, Kesselbauer, Elektriker, Isolierer, Korrosionsschützer, Stahlbauer, Betonierer... alle wollen über das gesamte Gelände verteilt kurzfristig mit Arbeits- und Schutzgerüsten bedient werden.“
Dabei sprechen wir hier nicht von 08/15-Fassadengerüsten, sondern von Traggerüsten, Hänge-konstruktionen und Raumgerüsten an äußerst unzugänglichen Stellen, in großen Höhen oder da, wo sich einfach keine Verankerungsmöglichkeiten bieten. „Da hilft nur viel Erfahrung, fundierte Fachkenntnis und ein klarer Kopf“, erzählt Gabrisch, der sich seit Jahren mit dem Gerüstbau im Kraftwerk auskennt. Neben dem enorm hohen Termindruck ist er täglich konfrontiert mit Fragen wie: „Welche Konstruktion ist unter den beengten Verhältnissen überhaupt machbar“ oder „Wie bekomme ich mein Material in die Höhe?“ 100 Meter und mehr sind schließlich im Kraftwerksbau keine Seltenheit.
Da sind grundsätzlich kreative Sonderlösungen gefragt. Gerne auch als elektrisch oder hydraulisch verfahrbare Variante, die den ausführenden Gewerken die Arbeit erleichtert. „Für Niederaußem ha-ben wir beispielsweise eine raffinierte fahrbare Kesselbühne entwickelt, deren Konstruktion wir für den Einsatz in Neurath adaptiert haben“, sagt Sondergerüstexperte Hans Perner. Die 23 x 23 Meter große Arbeits- und Sicherheitsplattform wird mit dem Baufortschritt nach oben gezogen.
Insgesamt wird ThyssenKrupp Xervon schätzungsweise rund 40.000 Einzelgerüste beim Bau des neuen Doppelblocks aufstellen. Entsprechend groß dimensioniert ist das Materiallager, das sich die Gerüstexperten bei der Baustelleneinrichtung angelegt haben: 3.000 Tonnen Gerüstmaterial hauptsächlich Modulgerüstsysteme werden in Neurath zu Spitzenzeiten im Einsatz sein.
Hintergrundinformation zum Kraftwerk Neurath:
Wie zuvor bereits in Niederaußem (Fertigstellung 2003), entsteht in Neurath ein so genanntes BoA-Kraftwerk. „BoA“ steht für „Braunkohlenblock mit optimierter Anlagentechnik“. Das bedeutet: Die Ingenieure haben an vielen Stellen des Kraftwerksprozesses Effizienzgewinne herausgearbeitet. Zum Beispiel durch High-Tech-Werkstoffe, durch computermodellierte Turbinenschaufeln, durch das Recycling von Restwärme und durch verringerten Eigenbedarf an Strom. Das steigert den Wir-kungsgrad um fast ein Drittel. Das neue BoA-Kraftwerk in Neurath wird pro Jahr bis zu sechs Millio-nen Tonnen Kohlendioxid (CO2) weniger ausstoßen als die Altanlagen, die durch die beiden moder-nen Blöcke F und G ersetzt werden. Ab 2010 soll der Doppelblock etwa zehn Millionen Menschen mit Strom versorgen.
Pressekontakt:
Ulrike Grönefeld
Tel. 0211/967-5792
Fax 0211/967-5483
E-Mail: ulrike.groenefeld@thyssenkrupp.com
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