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Pressemitteilung
Gelsenkirchen/Stara Zagora, April 2006


Deutsches Gerüstbau Know-how sichert die termingerechte Modernisierung bulgarischer Kohlekraftwerke

Sondergerüstbau „Made in Germany“ ist in Bulgarien gefragt

Bei den umfassenden Modernisierungen der drei Braunkohlekraftwerke Maritza I, II und III rund um den bulgarischen Tagebau Maritza Ost ist deutsches Gerüstbau Know-how gefragt. Vor rund zwei Jahren hat ThyssenKrupp Xervon rund 1500 Tonnen Modul- und Fassadengerüstmaterial in das südost-bulgarische Zentrum der Stromerzeugung geschafft. Seitdem hat die Gerüstbautechnik „made in Germany“ nicht nur die Sicherheitsstandards beim Gerüst auf europäisches Niveau gehoben. Sie sichert vor allem auch die Termintreue der umfangreichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen.

Um die EU-Standards der Luftreinhaltung erfüllen zu können, werden in Bulgarien bis zum Jahr 2015 rund 2,3 Mrd. Euro investiert. Der Ausstoß an Luftschadstoffen ist hier stark an die Verbrennung von Kohle gekoppelt. Ihr Anteil an der Elektrizitätserzeugung beträgt 40 Prozent. Eine der größten Einzelmaßnahmen in Europa zur Schadstoffminderung ist die Modernisierung des Braunkohlekraftwerks Maritza III (vier Blöcke à 220 MW) nahe Stara Zagora. Ein Konsortium aus RWE Solution und DSD Dillinger Stahlbau errichtet hier seit 2003 eine Rauchgasentschwefelungsanlage.

REA eingerüstet

Mit der Innen- und Außeneinrüstung der beiden Absorber-Neubauten beauftragten die Modernisierer ThyssenKrupp Xervon. Beide Absorber (Durchmesser 18 m) sind 60 m hoch und besitzen außerdem einen jeweils 100 m hohen Stahlkamin (Durchmesser 9 m). Durch zusätzliche Gerüstbauarbeiten im Bereich der REA (Rauchgaskanäle, Hydrozyklon, Gipsanlage, Bandbrücken und Kamin) hat sich das Auftragsvolumen für das Xervon-Team enorm erhöht. Auch bei der Erneuerung der vier Kesselanlagen inklusive Abbau, Asbestsanierung und Abschottung sind die Gerüstexperten aus Deutschland gefragt. Im Kraftwerk Maritza II ist in punkto Gerüstbau vor allem der Umbau der Kabeltrassen hervorzuheben. Rund 850 m lange und 12 bis 40 m hohe Gerüstkonstruktionen sind notwendig, um den ausführenden Gewerken den erforderlichen sicheren Zugang zu verschaffen. Und auch beim kürzlich unter amerikanischer Regie begonnenen Neubau des Kraftwerks Maritza I, wo zwei 325 MW-Blöcke 2009 das alte Kraftwerk komplett ersetzen sollen, werden die Xervon-Gerüstbauer vertreten sein – als Garanten für Qualität und Termintreue. „Einige Einrüstungen sind mit bulgarischen Firmen gelaufen, aber das hat nicht so gut geklappt“, weiß Hans Perner, Spezialist für Sondergerüstbau bei ThyssenKrupp Xervon. Das liege vor allem an deren mangelnder Erfahrung mit Systemgerüsten und dem noch fehlenden Sicherheitsbewusstsein. Letzterem haben regelmäßig kontrollierende Sicherheitsbeauftragte allerdings ein schnelles Ende gesetzt.

Herausforderung Logistik

Hans Perner besucht mehrfach im Monat die bulgarischen Baustellen und fungiert als Schnittstelle zur deutschen Abteilung, wo die aufwändigen statischen Berechnungen für sämtliche Sonderkonstruktionen erstellt werden. Die in Maritza III erforderlichen Gerüstbauten seien zwar gewaltig, „technisch gesehen sind das für uns aber keine außergewöhnlichen Herausforderungen“, sagt Perner. Dennoch: die fachlichen Anforderungen im Kraftwerksbereich sind hoch. Auch wegen der örtlichen Bedingungen – große Höhen, beengte Verhältnisse. Da spielt die so genannte „vertikale Logistik“ („Wie bekomme ich das Material nach oben?“) wegen der hohen Einzelbauwerke wie Kesselhaus oder Rauchgasentschwefelung eine entscheidende Rolle.

Überhaupt hat sich die Logistik auf den bulgarischen Kraftwerksbaustellen als die eigentliche Herausforderung entpuppt. Während es in Deutschland beispielsweise kein Problem ist, kurzfristig einen Stapler auszuleihen, sind die in Maritza zur Verfügung stehenden Hilfsmittel begrenzt. Und geschäftstüchtige bulgarische Baumaschinen-Vermieter machen sich die Eigendynamik aus starker Nachfrage bei geringem Angebot gerne zu Nutze. „Für einen dringend benötigten Stapler bezahlt man hier schnell den mehrfachen deutschen Mietpreis“, schmunzelt Perner. Da sei es wichtig, die Arbeitsabläufe durchzuspielen und im Vorhinein abzuschätzen, welche Geräte man beispielsweise aus Deutschland mitbringen solle. Ansonsten sei halt Improvisation und Kreativität gefragt.

Kollegiales Miteinander

Für solche Projekte braucht man Führungspersonal mit Erfahrung. „Die geforderte Flexibilität und fachliche Kompetenz erfordert Leute mit fundiertem Fachwissen, statischem Verständnis, Ideenreichtum und architektonischem Vorstellungsvermögen“, charakterisiert Perner seine Kollegen vor Ort. ThyssenKrupp Xervon betreut als Mehrgewerke-Industriedienstleister bereits seit Jahrzehnten diverse deutsche Braunkohlekraftwerke in Sachen kreativer Gerüstbautechnik. „Es gibt eigentlich kein Gerüst, das wir nicht schon gebaut hätten und dennoch ist jedes wieder ein Unikat, das exakt auf die Gegebenheiten vor Ort abgestimmt werden muss“, beschreibt Perner die stets neuen Anforderungen.

Gearbeitet wird auf den drei Maritza-Baustellen zwar unter deutscher Regie (Projektleiter, Bauleiter, Vorarbeiter), aber nach und nach sind bulgarische Gerüstbauer angelernt und eingestellt worden. „Auch deshalb sind wir hier sehr gut angesehen“, konstatiert Perner. Als „Gast“ hat er bei seinen regelmäßigen Besuchen die „stolze bulgarische Seele“ kennen und schätzen gelernt: „Hier wird nicht gegeneinander, sondern wie in einer großen Familie zusammen gearbeitet. Vieles besprechen wir beim gemeinsamen Abendessen und beim Bier danach.“ Kollegialität und diplomatisches Fingerspitzengefühl zahlen sich im täglichen Miteinander aus.


Pressekontakt:
Ulrike Grönefeld
Tel. 0211/967-5792
Fax 0211/967-5483
E-Mail: ulrike.groenefeld@thyssenkrupp.com

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